AH-Wanderfahrt 2008

auf Elbe, Elbe-Lübeck-Kanal, Trave, Wakenitz, Ratzeburger See, Domsee, Küchensee, Salemer See, Pipersee, Phuhlsee und Schaalsee

Samstag

Für 8 Uhr war Frühstück angesagt worden. Die tatendurstigen Mannen hatten dies aber um diese Zeit bereits erledigt - außer der Fahrtenleitung, so dass diese uns einleitend in den Tag zu einer größeren Erholungspause vor der Anstrengung verhalf. Somit war gesichert, dass alle die Gelegenheit hatten ihre Dopingmittel, wie zum Beispiel Markumar, einzunehmen. Nachdem wir wieder in den Booten saßen, waren wir nach 200 Metern auf dem Ratzeburger See, was einen Aktivisten freudig ausrufen lies, „tolles ruhiges Wasser, Nebelschwaden übern See, Sonne am blauen Himmel und einen Puls von 65!“

   

Den See mussten wir leider mit dem Deutschlandvierer vom Olympiastützpunkt und vier Konkurrenzbooten aus Krefeld teilen. Als Lohn für unser Mühen kam Ratzeburg in Sicht. Nachdem wir gesagt bekommen hatten, dass die Segler hier auch Sportschützen seien und ihren Sport gelegentlich mit dem Ziel „Ruderer treffen“ ausüben, konnte die Umfahrung eingeschüchtert aber hoch motiviert beginnen. Am Brückendurchlass in den „Spucknapf“ kam uns ein Achterkanadier mit Steuermann entgegen und beim Durchlass in den Küchensee mussten wir auf das Touristenrundfahrtboot Rücksicht nehmen. Erfreulicherweise bewarf uns ein einheimischer weiblicher Fan dafür an dieser Stelle mit Bonbons.

Rudi Neumann

Wir legten kurz beim Bootshaus des Ratzeburger Ruderclubs an um ein Gruppenbild zu erzeugen, um sogleich diagonal den Küchensee zu durchkreuzen. Am Ufer wurden die Boote ausgehoben und in den Schaalseekanal, der ca. einen Kilometer entfernt war, fußläufig überführt. Die Wanderung führte über ca. 40 Höhenmeter, vorbei an einer brasilianischen Schönheit - d.h. einer Pflanze aus dem dortigen Regenwald - einer Baustelle, einer Gaststätte und über Feld und Flur. Nachdem die Höhe erklommen war, setzten die fitten alten Herren den Marsch im Laufschritt fort, so dass schnellstens wieder gerudert werden konnte.

   

5 Kilometer idyllischer unverlärmter, jedoch mit Hindernissen gespickter Kanal folgten bis zum Salemer See, wo eine andächtige Mittagsvesper gehalten wurde. Dabei konnten im Strandbad die ersten Badenden bewundert werden. Gestärkt wurde der See hinter sich gelassen. Es folgten der Pieper- und der Pfahlsee und dann war es soweit. Das Traumziel aller hiesigen Ruderer lag vor uns - der Schaalsee! Dazu hatten unsere Ratzeburger Freunde in der Vorbereitung keine Kosten und Mühen gescheut und 3 Genehmigungen eingeholt. Eine vom Landratsamt des Herzogtums Lauenburg, eine vom Landratsamt Ludwigslust jeweils zum Befahren des Sees und eine von der Naturschutzbehörde Nordwestmecklenburg.

   

Neben diesen virtuellen bürokratischen Hindernissen waren aber auch ein physisches und martialisches zu überwinden - ein schwimmender dicker Balken, ein im Grund steckendes aber aus dem Wasser knapp herausragendes Winkeleisen und ein schwimmender Balken mit herausstehenden Nägeln im Abstand von 10 cm.  Kein Mannschaftsboot verweigerte vor dem Hindernis, so dass alle in ruhiger Fahrt und herrlicher Seenlandschaft nach einer Stunde Seedorf erreichten.

   

Dort war es mit der Ruhe aber vorbei. Ein „wichtiger“ Mann erschien und gab kund, dass ihn alle unsere Genehmigungen nichts angingen, man ihm nichts davon mitgeteilt hätte und wir von ihm - oder einem mindestens genauso Wichtigen - eine weitere Erlaubnis zum anlegen und herausnehmen der Boote bräuchten. Es wurde mit Begriffen wie Eigentum, notarielle Urkunde, Gemeinde und allerlei Verboten jongliert. Unser geschickter hinhaltender vielstimmige Widerstand förderte eine Lösung in unserem Sinne und die Boote konnten auf einem bestimmten Teil der Rasenfläche abgelegt werden, über den der „Wichtige“ doch nicht verfügen konnte. Er war halt doch nicht so „wichtig“. Aber die Gruppendynamik war deutlich gefördert.

   

Nach der Rückfahrt in die Jugendherberge stürmten wir in den geöffneten romanischen Dom samt Klosteranlage. Alsbald empfing dort einer seine göttlichen Weisungen per Handy. Ein historischer Eindruck wird in Erinnerung bleiben. Immerhin hat ihn Heinrich der Löwe bereits im Jahre 1154 - aber nach Christus - gestiftet. Er gehört kirchenrechtlich noch heute zur Mecklenburger Landeskirche und nicht zu der von Schleswig-Holstein. Überhaupt ist festzustellen, dass sich hier in der Vergangenheit viele Schweden und Dänen herumgetrieben haben - was noch heute die Fährverbindungen nach Skandinavien zur Folge hat. Außerdem ist zu bemerken, es muss bereits seit dem Jahr 1100 eine DIN-Norm für Backsteine gegeben haben. Wie hatten diese sonst in der großen Zahl in dieser Größe hergestellt werden können?

   

Nach einem Blick auf die Ruderakademie des Deutschen Ruderverbandes bewegten wir uns zum herrlich gelegenen Gelände des Ratzeburger Ruderclubs, wo wir mit einem Glas Maibowle von Herrn Dobertin empfangen wurden. Dies leitete einen hervorragenden gemütlichen Abend im Clubhaus ein. Zwei Damen, deren Arbeitskleidung mit den Worten „Kochgenuss Lebenslust“ beschriftet war, bewirteten uns mit köstlichen Bratkartoffeln und anderen guten Speisen.

Sonntag

Am nächsten Morgen konnte beruhigt bemerkt werden, dass die Jugendherbergseltern den Satz aus der Herbergsordnung, „Alkoholisierte Gäste werden des Hauses verwiesen“, nicht angewendet haben. Es wurde rasch gepackt und Seedorf auf dem Landweg angesteuert. Bereits um 9 Uhr konnte der Landdienst mit einem dreifach kräftigen Hipp-Hipp-Hurra bedacht und das Dorf geweckt werden. Danach entfleuchten wir alle zu Lande und zu Wasser in die idyllische ruhige Seenlandschaft.

   

Unser Leitboot mit den Genehmigungen führte uns routiniert in eine Sackgasse, was die Frage aufwarf, wozu man dieses mit so exzellenten Plänen ausstattet. Wer lesen kann, der sei im Vorteil, wurde festgestellt. So hatten wir von diesem herrlichen Biosphärenreservat mehr gesehen, als uns eigentlich genehmigt worden war. Letztlich bewegten wir die drei Boote mit dem kleinen Umweg zielsicher an den Endpunkt - Zarrentin. Es war wohl Zufall, dass dort gerade eine physiotherapeutische Praxis neu eröffnete und um Kunden warb. Für die nötige Behandlung blieb uns aber keine Zeit. Aufladen - Fischbrötchen essen - Getränk trinken - Verabschiedung - und bis 24 Uhr waren alle wieder daheim.

   

Resümee

Es war eine klasse Fahrt. Eine Werbung für den Rudersport. Und wenn der Satz fiel, „Der Fahrtenleiter versteht nichts“, dann bezog dieser sich natürlich nur darauf, dass dessen neues teueres Hörgerät noch nicht optimal eingestellt war.

Bericht von Heinz Kleemann und Bernhard Freisler